In Massafra läuft Jesus an der Hand Mariens

Ganz selten gemalt: Jesus als Kind an der Hand Mariens laufend. Zu sehen in der Cripta de la Candelore in Massafra

Wer noch nicht genug Höhlenkirchen gesehen hat, dem sei der Besuch von Massafra empfohlen. Das Städtchen liegt östlich von Matera und ist über Autobahn und Landstraße binnen einer Stunde zu erreichen. Am Ortsrand  öffnet sich auf einer Länge von 4 Kilometer eine 40 Meter tiefe und 30 bis 50 Meter breite Schlucht, die „Gravina Principale, “. In ihr liegt hinter der an den Felsen geschmiegten Wallfahrtskirche „Madonna della Scala“, der ältesten Kirche der Gegend, ein ausgedehntes Areal mit Wohnhöhlen, die in den weichen Kalkstein gegraben wurden.

Massafra, die Schlucht Gravina di San Marco

Im Frühmittelalter lebten in den Schluchten um Massafra Einsiedler und Mönche. Letztere kamen im 8. Und 9.Jahrhundert vom Balkan und aus Kleinasien hierher. Sie verließen ihre Heimat wegen der ikonoklastischen Gesetze, die ihnen die Ikonenmalerei verboten. Was verboten ist, regt Menschen häufig zu besonderen Leistungen an. Noch heute ist die einstige Farbenpracht in einigen Grottenkirchen zu erkennen.

 

Die Stadtverwaltung zeigt kein besonderes Interesse an Touristen. Es bedurfte schon einiger Recherchen um herauszufinden, wann und welche. Höhlenkirchen zu besichtigen sind. Wir ließen uns nicht entmutigen und besichtigten zunächst mit einer italienisch sprachigen Führerin die Cripta de la Candelore unweit der Brücke über die Schlucht. Eine Besonderheit ist die Zeichnung des Jesuskindes an der Hand Mariens. Darstellungen Jesu in diesem Alter sind weltweit eine Seltenheit.

Wie respektlos ging die Kirche mit den Leistungen ihrer Vorfahren umging, sahen wir in der Cripta di S. Antonio Abate. Sie liegt unter dem ehemaligen Krankenhaus. Die Zeichnungen byzantinischen Ursprungs haben schwer gelitten, da die das Krankenhaus betreibenden Nonnen den Vorraum der Kirche als Wäscherei genutzt hatten. Tonnen von Natron lagerten dort und sorgten für schwere Zerstörungen an den gemalten Heiligenfiguren.

Landschaftlich besonders reizvoll ist die Gravina Madonna della Scala. Von einem großen Parkplatz führt eine barocke Freitreppe zum 1783 über einer byzantinischen Wallfahrtskirche errichteten Santuario Madonna della Scala. Gegenüber dem Kircheingang ist die Cripta della Buona Nuova aus dem 6. Bis. 7. Jahrhundert. Die Fresken sind jedoch jünger.

Wer in Massafra eine Herberge sucht, sei das B&B Sotto la Volta empfohlen. Die Wohnung ist groß und äußerst geschmackvoll eingerichtet. Vorsicht bei der Anfahrt. Bloß nicht den Weg vom Ortszentrum wählen. Die Straßen hinauf sind verdammt eng. Selbst mit eingeklappten Außenspiegeln mussten wir den Rückzug antreten. Daher wähle man für die Anfahrt den Weg über die Via Vittorio Veneto.

B&B Sotto la Volta, Massafra
In Massafra kann es ganz schön eng werden mit dem Auto
B&B Sotto la Volta, Massafra

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