Castel del Monte: das perfekte Achteck

Für zwei Ausflüge in Materas Nachbarschaft sollte man auf jeden Fall Zeit haben und sich nehmen. Rund eine Stunde fährt man mit dem Auto durch eine einsame und karge Landschaft zum sagenumwobenen Castel del Monte. Nicht zu Unrecht wird das Castel auch als „Krone Apuliens“ bezeichnet. Auf der Rückfahrt nach Matera empfehle ich einen Halt in Altamura.  Die dortige Kathedrale, vornehmlich ihr Portal, ist äußerst sehenswert.


Öffnungszeiten

Oktober bis 31. März 9.00 bis 18.30 Uhr. Der Ticketschalter schließt um 18 Uhr.
April bis 30. September 10.15 bis 19.45 Uhr. Tickeschalter schließt um 19.15 Uhr
An jedem ersten Sonntag eines Monats ist der Eintritt kostenlos.
Am 25. Dezember und 1. Januar ist das Castel del Monte geschlossen.


Das Castel del Monte liegt auf einer kleinen Anhöhe

Wir ließen uns von unserem Navi zum Castel führen. Der Weg führte uns durch eine menschenleere, beinahe verwunschene Gegend. Wie eine Fata Morgana tauchte plötzlich beim Fotografieren eines abgeernteten Feldes im Zoom das Castel del Monte auf. Fürwahr ein beinahe magischer Moment. Je näher wir herankamen, desto imposanter und eindrucksvoller wirkte der Bau. Das Auge verweilt an der ungewöhnlichen oktogonalen Form mit den ebenfalls achteckigen Türmen an jeder Ecke. Die Strenge der Architektur besticht. So alt und so modern, dachte ich.

In der prallen Sonne glänzt der helle Stein des Castel del Monte

Das Achteck ist vollkommen – jede Seite ist exakt 16,5 Meter lang. Das Gebäude, exakt nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet, wurde aus glatten, perfekt behauenen sandfarbenen Kalksteinquadern erbaut. An jeder Außenwand befinden sich ein einbogiges Fenster im unteren und ein zweibogiges mit Dreipassbogen im oberen Stockwerk. Lediglich bei der Zwischenwand an der Nordseite ist ein dreidreibogiges Fenster zu sehen.

 

 

 

 

 

 

 

Castel del Monte gilt als die berühmteste Burg der Welt, obwohl das Bauwerk eigentlich gar keine Burg ist; dazu fehlen die typischen architektonischen Details wie Festungsgraben, Verteidigungsanlagen, Bergfried und Zugbrücke. Zudem scheint das Kastell auch für einen längeren Aufenthalt nicht zu genügen, denn es finden sich keine Unterkünfte für Gesinde, Vorratskammern oder Stallungen.

 

 

 

 

 

Im Inneren des Kastells liegt ein ebenfalls achteckiger, nach oben hin offener Hof. Von dort aus gemessen beträgt die Höhe der Wände 20,5 Meter. Nur wenig höher sind die Türme. Alle 16 trapezförmigen Säle, jeweils 8 in jeder Etage sind miteinander verbunden. Zwischen jeweils 2 Sälen liegen die Turmräume mit Wendeltreppe, kleineren Zimmern zum Ankleiden und – schon recht modern – die Toiletten.

Ende Mai 1240 hatte Kaiser Friedrich II. den Bau des Kastells angeordnet. Ob er die Fertigstellung, sie soll erst zehn Jahre später erfolgt sein, noch erlebte, gar den Bau je bezogen hat, wird von heutigen Historikern bezweifelt. Sicher ist, dass das Kastell später als Gefängnis diente für die Stauferenkel Friedrich, Heinrich und Enzo, die Karl I. von Anjou nach dem Untergang der Staufer hier festsetzte.

Da der wahre Zweck des Baus bis heute unergründet blieb, schießen seit Jahrhunderten die Spekulationen ins Kraut. Sie alle sind spannend zu lesen und hören. Wir begnügten uns mit dem Ungewissen, denn das Castel ist als Bauwerk ein wunderbares Zeugnis einer fernen Epoche. Uns genügte das Wissen über die Bedeutung des Oktogons als perfekte Form. Hierin dürfte einer der Gründe liegen dass wir – wann immer wir in Aachen sind – den Dom Kaiser Karl des Großen besuchen.

Schatten sucht man vergeblich am Castel del Monte

Im Castel del Monte lebt der Mythos Kaiser Friedrich II. weiter

Wenige Herrscher werden so widersprüchlich beurteilt , haben gleichermaßen Bewunderung und Hass auf sich gezogen wie der Erbauer von Castel del Monte. Schon seine Kindheit war von vielseitiger Bedrohung geprägt. Als Dreijährigem hatte ihn seine Mutter schon zum König Siziliens, ihres Erbreiches, krönen lassen. Kurz darauf starb sie und ihr Sohn wuchs unter Feinden und Neidern auf, die nach seiner Herrschaft gierten und sich gegenseitig bekämpften. Als wäre dies nicht schon genug, spann zusätzlich ein Macht bessessener Papst in Rom seine Fäden gegen Friedrich. Der allerdings wusste, was ihm gut tun würde und lernte die Sprachen seiner Freunde und Feinde; zusätzlich auch die von Fremden. Und mit der Sprache übernahm er ihr Wissen.
Auf sich allein gestellt zog er als 16-Jähriger über die Alpen um die Krone einzufordern, die andere ihm streitig machten. Er wurde König der Deutschen und blieb sieben Jahre in dem Land, das ihm fremd war – bis seine Macht gesichert war. Mit der Königswürde kehrte er nach Italien zurück, und zog im Triumph in die Ewige Stadt ein. Dem Papst blieb nichts über als ihn zum römischen Kaiser zu erheben.

30 Jahre hat Friedrich II. geherrscht. Er gilt als Herrscher, in dem sich die Widersprüche zu einer Einheit verbanden. Seiner Zeit, seinen Zeitgenossen blieb er letztlich unbegreiflich und fremd. Als er starb, triumphierte sein Feind auf dem Stuhl Petri:
“Es freuen sich die Himmel und die Erde frohlockt.”
Je weiter seine Zeit zurückliegt, desto heller scheint sein Ruhm zu strahlen. Das Castel del Monte ist ein so besonderer, einzigartigen Ort, weil hier in diesem Aktogon sein Mythos fortzuleben scheint.

Tipp für die Anfahrt

Autos und Motorräder parkt man in gebührender Entfernung vom Castel auf einem öffentlichen und Video-überwachten Parkplatz an der SS 170. Mit einem Shuttle-Bus geht’s von dort zum Castel hinauf.

Öffnungszeiten
Oktober bis 31. März 9.00 bis 18.30 Uhr. Der Ticketschalter schließt um 18 Uhr.
April bis 30. September 10.15 bis 19.45 Uhr.Tickeschalter schließt um 19.15 Uhr
An jedem ersten Sonntag eines Monats ist der Eintritt kostenlos.
Am 25. Dezember und 1. Januar ist das Castel del Monte geschlossen.

Am Ende noch eine Empfehlung für eine weitere Besichtigung

Wer noch nicht genug Höhlen gesehen hat, macht auf jeden Fall noch einen Abstecher nach Massafra. Dort kann man ein ganz selten gemaltes Motiv sehen: der kleine Jesus läuft an der Hand seiner Mutter Maria. Etwas mehr als eine Stunde dauert die Fahrt von Matera nach Massafra.

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